Forschung

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Erfassung der Bestandsgröße

Als die Donau-Auen östlich von Wien Nationalpark Status erhielten, waren kaum Zahlen über tatsächliche Populationsgröße der Europäischen Sumpfschildkröte bekannt. Für effektive Schutzmaßnahmen ist aber eine verlässliche Quantifizierung der tatsächlichen Population in diesem Gebiet unerlässlich.

Schon seit Beginn des Artenschutzprogramms wurden, im Zuge des Gelegeschutzes, Weibchen nach der Eiablage vermessen, individuell markiert und in einer Datenbank gespeichert. Diese – jährlich wachsende – Datenbank beinhaltet aktuell 131 Weibchen (Stand: Juli 2014) und gibt Einblick über die Anzahl geschlechtsreifer Weibchen in im Nationalpark Donau-Auen.

Fangreusen

Fangreusen

Um jedoch eine verlässliche Schätzung des Gesamtbestandes zu ermöglichen, muss auch die Anzahl der Männchen, sich nicht fortpflanzender Weibchen und von Jungtieren erfasst werden. Hierfür sind andere Methoden notwendig.

Je nach Verfügbarkeit finanzieller Mittel werden immer wieder an einzelnen Altarmen entlang der Donau Fangaktionen durchgeführt, um die Sumpfschildkröten-Population in jedem einzelnen Gewässersystem quantitativ zu erfassen. Speziell adaptierte Fischreusen werden benutzt, um an mehreren aufeinander folgenden Tagen alle in einem Gewässer lebenden Schildkröten zu fangen, zu vermessen und zu markieren.

Markierte Schildkröten

Markierte Schildkröten

Zum Beispiel wurden bei einer dieser Fangaktionen im Narrischen Arm innerhalb von nur 4 Tagen 30 neue Schildkröten aller Altersstufen markiert. Insgesamt erhöhte sich die Anzahl der in der Datenbank erfassten Tiere (inkl. Zufallsfunde) im Nationalpark Donauauen auf 411. Somit kann die Gesamtpopulation in den Donau-Auen östlich von Wien, anhand von Siedlungsdichten in diesen Gewässern, auf etwa 1000 – 1500 Tiere extrapoliert werden. Wir arbeiten daran, in Zukunft weitere Gewässer zu beproben und die Population noch genauer quantifizieren zu können.

 


Genetische Untersuchungen
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Schleimhaut-Abstrich

Ein weiterer Schwerpunkt der Schildkröten-Forschung im Nationalpark ist die Genetische Untersuchung der innerartlichen genetischen Varianz. Derzeit laufende DNA-Untersuchungen, auf dem mitochondrialen Gen CYT-B basierend,  sollen helfen, ausgesetzte von heimischen Tieren zu unterscheiden. Bei diesen Untersuchungen wird auf Blutabnahmen verzichtet und eine DNA-Probe mit einem, aus der Kriminaltechnik bekannten, Schleimhautabstrich gewonnen.

Ersten Ergebnissen zufolge können zwei Erkenntnisse festgehalten werden.

  1. Es konnte ein bis dato unbekannter genetischer Typ in den Donauauen gefunden werden. Bei diesem Typ (2L) handelt es sich allem Anschein nach um die „Ureinwohner“ der Donau-Auen.
  2. Der Anteil von allochtonen (nichtheimischen) Unterarten ist beunruhigend hoch. Der Anteil dieser ortsfremden Individuen (ausgesetzte Tiere) nimmt mit Abstand zur Großstadt Wien ab.

Molekularbiologische Untersuchungen mit Markern der Kern-DNA, die in Kooperation mit der Universität Kaposvár durchgeführt wurden, belegen, dass die Population der Donau-Auen keinem Inzucht-Risiko unterliegt.


Telemetrie
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Emys mit Telemetrie – Sender

Je mehr über eine Art bekannt ist desto effektiver sind Schutzbemühungen. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2010 eine Radiotelemetrie Studie in Angriff genommen. Ziel dieser Studie war es einerseits individuelle Bewegungsmuster und home-ranges zu studieren, andererseits die Wanderung eiertragender Weibchen zu möglichen, uns unbekannten Ablageplätzen zu verfolgen.

Die Methode der Wahl war die Anbringung von wasserdichten Radiosendern am Panzer der Schildkröte. Es wurde darauf geachtet die Schildkröten weder durch das Gewicht noch die Form des Sendern mit Antenne zu beeinträchtigen. 8 Individuen wurden mit Sendern ausgestattet. Der Standort dieser Tiere wurde über eine ganze Saison (Mindesthaltbarkeitszeit der Akkus) täglich verortet und deren Bewegungen erfasst.

Peilung des des SChildkröten-Standortes

Peilung des Schildkröten-Standortes

Unsere Hoffnung noch unentdeckte Eiablageflächen zu finden wurde leider enttäuscht aber wir konnten uns nun ein gutes Bild vom Aktionsradius einzelner Tiere im Gewässernetz der Donau Altarme machen.